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Preis: European Best Destination 2023

Spaziergang durch Wilanów

Wilanów ist ein Stadtbezirk, der zwischen der Warschauer Weichselböschung und dem Fluss selbst liegt. Anders als der überwiegende Teil der Hauptstadt gehörte dieses Gebiet zu Urzecze, einer geografischen und kulturellen Region, die im Flusstal liegt. Aufgrund der fruchtbaren und feuchten Böden war es landwirtschaftliches Areal, das Warschau mit Lebensmitteln versorgte. Noch heute ist das Viertel voller bewirtschafteter Felder, zwischen denen einer der entspannendsten Radwege der Stadt verläuft. Die Kultur und die Lebensweise der Einheimischen waren mit dem Fluss und seinen Überschwemmungen verbunden, was die sog. Olender anzog, protestantische Siedler, vor allem aus den Niederlanden, die es gewohnt waren, sich gegen das Wasser zu wehren. Das Gebiet von Wilanów trug ursprünglich den ähnlich klingenden Namen Milanowo oder Milanów, doch der Name des Stadtteils leitet sich wahrscheinlich von Villa Nova ab – dem Namen des örtlichen Herrenhauses, das 1677 von König von Polen Jan III. Sobieski erworben wurde. Das erweiterte Herrenhaus wurde in späteren Jahren zur Residenz des Königs und ist heute ein beliebtes Denkmal. Neben dem historischen Schloss und den Naturschutzgebieten befindet sich hier auch die moderne Wohnsiedlung Błonia Wilanowskie, bekannt als Miasteczko Wilanów. Die Siedlung wird von der Kuppel des Tempels der Göttlichen Vorsehung überragt, der höchsten Kirche Warschaus. Begleiten Sie uns auf einer Exkursion. Aufgrund der großen Entfernungen zwischen den einzelnen Stationen empfiehlt sich das Fahrrad als Transportmittel.

Der Wilanów-Palast, der in mehreren Etappen an der Stelle des Gutshauses Villa Nowa errichtet wurde, ist eines der schönsten Bauwerke des europäischen Barocks. Die Arbeiten an der königlichen Residenz begannen 1681, während der Regierungszeit von Johann III. Sobieski. Zu dieser Zeit wurde das Herrschaftshaus um ein Stockwerk und Seitentürme erweitert. Der Anbau von Seitenflügeln und weitere Ausbauten erfolgten nach dem Tod des Königs. In den Jahren 1730-1733 wurde es von August II. dem Starken gepachtet. Der Palast ging später zusammen mit den umliegenden Gütern von Wilanów in den Besitz verschiedener Adelsfamilien über. Im Jahr 1805 stellte der damalige Besitzer des Palastes die Räume seiner Residenz zusammen mit den Sammlungen der polnischen Öffentlichkeit zur Verfügung und schuf damit das älteste polnische Kunstmuseum. Die letzten Vorkriegseigentümer des Palastes war die Familie Branicki. Während des Zweiten Weltkriegs plünderten hier stationierte deutsche und ungarische Soldaten die Einrichtung des Schlosses und zerstörten die Gärten. Nach dem Krieg ging das Denkmal in den Besitz des Staates über. 2013 wurde hier das Palastmuseum König Jan III. eingerichtet.

Betreten Sie das Museumsgelände durch das Haupttor und wandeln Sie anschließend durch den großen grasbewachsenen Innenhof, wo Sie die barocken Fassaden des Palastes mit ihren kunstvollen Flachreliefs bewundern können. Im Inneren warten auf Sie die nach der Zerstörung wiederhergestellten Dekorationen und die authentischen Möbel aus den Gemächern und Schlafzimmern des Königs und seiner geliebten Frau, der Königin Marysieńka.

Eine der größten Attraktionen des Museums ist der Park, der den Palast umgibt. Er besteht aus mehreren Abschnitten: dem Nordgarten mit seinem Springbrunnen, der einen jungen Triton darstellt, dem Barockgarten – dem ältesten Teil des Parks – und dem duftenden Rosengarten. Auch die nördlichen und südlichen Landschaftsparks gewähren den Besuchern herrliche Aussichten. Das gesamte Areal fällt zum Wilanów-See hin ab, wo man interessante und sehr malerische Bauwerke findet, u.a. eine römische Brücke, einen chinesischen Pavillon und das auf einer künstlichen Insel errichtete Denkmal der Schlacht von Raszyn. Im Winter verwandelt sich der Schlossgarten in den Königlichen Lichtgarten, in dem Illuminationen und unzählige Lichtinstallationen aufleuchten. Es ist eine wahre Familienattraktion, die besonders an verschneiten Wintertagen sehr beliebt ist.

Besuchen Sie unbedingt auch das älteste Plakatmuseum der Welt, das in der ehemaligen Schlossreithalle untergebracht ist. Hier wird eine eindrucksvolle Sammlung von Kunstwerken präsentiert, die u. a. für Theateraufführungen, Kinofilme und soziale Aktionen werben.

Unweit des Schlosses steht eine schöne Kirche im Neorenaissancestil, die von den Warschauern gerne für Hochzeitszeremonien genutzt wird. Es handelt sich um die Stiftskirche der Heiligen Anna in Wilanów. Das Gemälde „Verkündigung der Jungfrau Maria“ aus dem 17. Jahrhundert schmückt den Hauptaltar sowie… ein Mammutknochen, der bei Ausgrabungen in der Gegend gefunden wurde. In einer der Kapellen befinden sich die Gräber der Familie Potocki, die aus der Friedhofskapelle hierher überführt wurden.

Auf der gegenüberliegenden Seite des Wilanów-Sees befindet sich ein verstecktes Kleinod, eine echte Herausforderung für Abenteuerlustige. Es handelt sich um die Parkanlage Morysin, einen Sumpfwald, der früher ein Schutzgebiet war, d. h.: königliches Jagdgebiet. Zu Beginn des 19. Jh. wurde das Gebiet in einen romantischen Park umgewandelt, von dem noch einige geheimnisvolle Bauwerke erhalten geblieben sind. Aufgrund des jahrhundertealten Baumbestands und der vielen Tierarten, die hier leben, wurde in den 1960er Jahren in diesem Gebiet ein Naturschutzgebiet eingerichtet.

Um zum Naturschutzgebiet zu gelangen, fahren Sie (mit dem Rad) die ul. Vogla entlang, überqueren die Brücke zwischen den Seen und biegen dann sofort links in einen Feldweg ein. Dieser führt Sie direkt in den ehemaligen Park. Zunächst aber sehen Sie zu Ihrer Rechten in der Ferne die Ruinen eines neugotischen Tores aus dem Jahr 1846. Um dieses aus der Nähe zu sehen, nehmen Sie den ersten möglichen Pfad nach rechts. Dann kehren Sie auf den Hauptweg zurück, der am See entlang führt, und schon sind Sie im Park selbst. Beachten Sie, dass es im Frühjahr und nach starken Regenfällen sumpfig ist und dass im Sommer die Mücken stechen. Es lohnt sich jedoch, die Ruinen eines alten Turms, die Relikte eines klassizistischen Palastes in Form einer Rotunde oder ein faszinierendes, tief im Wald verstecktes Forsthaus aus Holz zu entdecken. Der Fluss Wilanówka und der Sobieski-Kanal fließen um das Naturschutzgebiet herum. Um zum nächsten Punkt Ihrer Reise zu gelangen, kehren Sie zur ul. Vogla zurück.

Begeben Sie sich nun zur wilden Weichsel. Nehmen Sie hierzu die ul. Vogla in nordöstlicher Richtung und biegen Sie dann am Kreisverkehr in die ul. Zaściankowa ein, die Sie zu den Weichselufern führt. Auf der anderen Seite des Dammes verläuft ein Weg durch wilde Auen und Wälder. Nach einiger Zeit kommen Sie zu einem großen Sandstrand und mehreren Inseln, die bei Niedrigwasser miteinander verbunden sind. Hier befindet sich der Strand von Wilanów Zawady, der durch einen Flussarm in zwei Teile geteilt ist: im Norden der für „Textilfreudige“ und im Süden der für die FKK-Anhänger. Es spielt keine Rolle, wie herausgeputzt Sie sind. Verbringen Sie einfach einige stille und entspannende Momente hier. Sie werden feststellen, dass die Weichsel selbst im unteren Teil von Warschau ein wilder Fluss ist, voller Inseln und nistender Vögel.

Wenn die Sommersonne etwas zu stark brennt, dann kehren Sie zur ul. Wał Zawadowski zurück und fahren sie in Richtung Süden. Nachdem Sie die Umgehungsstraße passiert haben, biegen Sie in die ul. Olęderska ein, die Sie zur Kreuzung der ul. Syta und Bruzdowa führt. Hier befindet sich der ehemalige evangelische Friedhof, der den Siedlern aus den Niederlanden und Norddeutschland, den Olendern, gehört. Auf den erhalten gebliebenen Grabsteinen kann man Inschriften in polnischer und deutscher Sprache lesen. Ein zweiter, ähnlicher Friedhof befindet sich etwas weiter entfernt, außerhalb der Grenzen von Wilanów am Kreisverkehr der ul Sągi. Während des Zweiten Weltkriegs kollaborierten viele Olender mit den Deutschen und wurden aufgrund ihrer Herkunft in die Volksliste der Deutschen im besetzten Polen, aufgenommen. Als sich die Sowjetarmee näherte, flohen sie zusammen mit der deutschen Armee, und alles, was von ihnen in der Gegend von Wilanów übrig geblieben ist, sind die Friedhöfe, die in den letzten Jahren renoviert wurden.

Auf der anderen Seite des Stadtteils liegt direkt an der Grenze zu Ursynów der Natolin-Park. Um dorthin zu gelangen, müssen Sie den Radweg in der ul. Korbońskiego finden und ihm bis zum Gipfel der Warschauer Weichselböschung an der Grenze zwischen Wilanów und Ursynów folgen. Dann geht es weiter auf der ul. Nowoursynowska bis zum Tor des Parks. Dieser ist ein faszinierendes Naturschutzgebiet, ein wahrer Urwald inmitten der „City“. Das gesamte Areal ist aus Sorge vor widerspenstigen Touristen eingezäunt und verschlossen, die Tore für Besucher werden jedoch während der Sommersaison mehrmals geöffnet. Anmeldungen für Führungen müssen im Voraus erfolgen.

In diesem Park machte König Jan III. Sobieski Jagd, und bis zum Ende des 18. Jh. wurden hier zahlreiche klassizistische Gebäude errichtet, allen voran der Potocki-Palast. Dieser Ort gehörte, wie alle umliegenden Ländereien, verschiedenen Adelsfamilien, wobei der Name Natolin auf den Namen der Erbin Natalia Potocka zurückgeht. 1945 gingen der Park und die Gebäude auf dem Gelände in Staatseigentum über und dienten unter anderem als Sitz des ersten kommunistischen Präsidenten Polens, Bolesław Bierut. Seit den 1990er Jahren ist der Potocki-Palast Sitz des Europa-Kollegs.

Falls Sie es nicht geschafft haben, sich der beliebten Sommertour anzuschließen, dann machen Sie einen Abstecher in den Park. Fahren Sie hinunter zur ul. Gąsek und folgen Sie dem Weg, der dicht am Zaun entlangführt, um die monumentalen alten Bäume und das malerische Osttor zu sehen. Halten Sie auch kurz an der Brücke über den Bach inne, um den Teich aus der Ferne zu sehen. Folgen Sie diesem Weg bis zum Fuß der Böschung, wo Sie, wenn Sie die Umgehungsstraße umfahren haben, ein weiteres Naturschutzgebiet erreichen: die Ursynowska-Böschung. Halten Sie an dem eingezäunten Teich am Fuße des Rektorats der Warschauer Naturwissenschaftlichen Universität und treffen Sie eine Entscheidung, denn Sie haben die Wahl, Ursynów zu erkunden oder sich in einem der vielen Restaurants im nahe gelegenen Miasteczko Wilanów zu entspannen. Nun…?

Noch in den 1990er Jahren war das Gebiet der heutigen Siedlung von Ackerland und Brachland bedeckt. Damals wurde ein Projekt konzipiert, das über 100 Hektar große Areal zu einem völlig autarken urbanen Organismus werden zu lassen. Das in den ersten Jahren des 21. Jh. begonnene Projekt entsprach zunächst nicht den Erwartungen der Bewohner. Sie beklagten sich über die fehlende Infrastruktur, und die Siedlung wurde manchmal als „Schlafzimmer“ bezeichnet. Obwohl es bis heute kein Kino oder Theater gibt, ist das heutige Miasteczko Wilanów ein Ort voller Cafés, Konditoreien und Restaurants mit exotischer Küche und verfügt sogar über einen eigenen Sommerstrand. Von der Aleja Wilanowska trennt ihn das Bächlein Służewiecki, über das ein mit Herzen verzierter Steg geschlagen wurde. Im Laufe der Zeit begannen Verliebte, Vorhängeschlösser an den Geländern anzubringen, wodurch sie als „Brücke der Verliebten“ bekannt wurde.

Bei einem Spaziergang durch die Siedlung werden Sie die Kuppel des monumentalen Tempels der Göttlichen Vorsehung sehen, einer Kirche, die bereits im 18. Jahrhundert als Dank für die Annahme der Verfassung des 3. Mai errichtet worden sein soll. Wussten Sie, dass die oft kritisierte Form des Gebäudes auf den ursprünglichen Entwurf von Jakub Kubicki aus dem Jahr 1792 zurückgeht? Auch wenn Ihnen das äußere Design nicht zusagt, sollten Sie einen Blick ins Innere werfen. Es erwartet Sie ein minimalistisches Interieur, das fast ohne Verzierungen auskommt. Neben dem Gotteshaus selbst beherbergt das Gebäude auch das Pantheon der großen Polen und das Museum von Johannes Paul II. und Primas Stefan Wyszyński.

Wenn Sie in Wilanów Anhänger anderer Religionen treffen möchten, besuchen Sie die Moschee in der ul. Wiertnicza 103 oder das gerader 500 Meter entfernte Haus der Buddhistischen Gemeinde, die von der bekannten Schauspielerin Małgorzata Braunek und Andrzej Krajewski gegründet wurde.